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Artikel:

Strategien zur Vermeidung des Fixkostendegressionsabschlags

12. Juli 2016

Die Höhe des Fixkostendegressionsabschlags (FDA) wird darüber entscheiden, wie groß die Anstrengungen der Krankenhäuser sein werden, in Vermeidungsstrategien für diesen gesetzlich verordneten Zwangsrabatt zu investieren. Die Gerüchteküche brodelt und es werden - wie bereits im vorhergehenden Beitrag ausgeführt - Abschlagsprozente von 35% bis zu 50% je bewerteter DRG bei 100%-igem Abschlag genannt. Sollte es wirklich so hart kommen, lohnt es sich angesichts der Abschlagsdauer und der befürchteten negativen betriebswirtschaftlichen Auswirkungen bereits heute, über Vermeidungsstrategien nachzudenken. Was für Vermeidungsstrategien bieten sich an?

Gründung einer Privatklinik im Plankrankenhaus

Wenn der Krankenhausträger im oder am Plankrankenhaus ein zweites Krankenhaus als Privatklinik errichtet und in diesem zweiten Krankenhaus nur die Privatpatienten des ehemals einheitlichen Krankenhauses behandelt werden, dann wird das GKV-Budget um diese Leistungen entlastet und es entsteht ein rechnerisches Volumen, um mehr GKV-Patienten zu behandeln. Allerdings sind bei der Gründung und dem Betrieb einer solchen Privatklinik durchaus zahlreiche Aspekte zu beachten, z.B. diese:

  • IdR ist eine neue Klinikträgergesellschaft zu gründen
  • Die Trägergesellschaft ist ertrag- und umsatzsteuerlich zu würdigen
  • Mit der Festlegung der erforderlichen Räume stellen sich förderrechtliche Fragen
  • Die Privatklinik bedarf einer Konzession gemäß § 30 GewO
  • Der Brandschutz für neue Krankenhausräume ist zu beachten
  • Welche Lieferungs- und Leistungsbeziehungen sind zu welchen Entgelten zu vereinbaren?
  • Die ärztliche Leitung ist zu bestimmen
  • Eine eigene Verwaltung mit Buchhaltung, Patientenverwaltung, Forderungsmanagement ist einzurichten
  • Bestimmung der angebotenen Komfortelemente
  • Abstimmung der Komfortelemente und der geplanten zusätzlichen Entgelte mit der PKV

Leistungserbringung im Rahmen von Verträgen zur integrierten Versorgung

Wenn der Krankenhausträger einen oder mehrere IV-verträge abgeschlossen hat, sind die diesen Verträgen zuzuordnenden Leistungen außerhalb des GKV-Budgets erbracht und unterliegen nicht der Logik des FDA.
Vor dieser Perspektive kann es für ein Krankenhaus sinnvoll erscheinen, Leistungen mit einem ausreichenden Leistungsvolumen im Behandlungsspektrum dieses Krankenhauses mit einer einzelnen Krankenkasse neu zu vereinbaren.

Leistungserbringung im Rahmen von Verträgen zu Modellvorhaben nach §§ 63 ff. SGB V

Derartige Modellvorhaben, die der Weiterentwicklung der Qualität in der Krankenhausbehandlung oder der Verbesserung der Wirtschaftlichkeit dienen müssen, werden außerhalb des Budgets erbracht. Die Leistungen unterliegen nicht den FDA-Rabattregelungen.

Differenzierung der Leistungsmengen

Gibt es ausländische Patienten und/oder Patienten mit Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, die aufgrund gesetzlicher Ausnahmetatbestände aus der Budgetlogik des KHEntgG herausgenommen werden dürfen, so sind diese Ausgliederungen aus dem Erlösbudget zu vereinbaren.

Alternative Formen der Abrechnung

Es gibt stationäre Behandlungsformen, die bei kurzer Verweildauer regelmäßig im Streit mit dem MDK verhandelt werden. Hier gilt es zu ermitteln, welche Leistungen für andere - insbesondere ambulante - Abrechnungsformen (hoch spezialisierte Leistungen, ambulantes Operieren etc.) wirtschaftlich geeignet sind. Diese könnten insbesondere bei drohenden Mehrleistungen - also dem FDA-Fall oder auch dem Mehrerlösausgleichsfall - eingesetzt werden.

Zusätzlich bewilligte Versorgungsaufträge, für die bislang keine Abrechnungsmöglichkeit bestanden hat

Wer bewilligt die zusätzlichen Versorgungsaufträge? Aus dem Wortlaut des Gesetzes ergeben sich zwei Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit die Leistungen aus dem FDA herausgenommen werden können. Einerseits muss ein zusätzlicher Versorgungsauftrag vorliegen; also beispielsweise ein Feststellungsbescheid betreffend eine Änderung des Landeskrankenhausplans und als zweite Voraussetzung die diesem Bettenplan zugrunde liegenden Leistungen dürfen bisher noch nicht abgerechnet worden sein. In der Praxis sind von dieser zweiten Voraussetzung oft geriatrische Leistungen betroffen. Diese Leistungen wurden oft in allgemeinen internistischen Abteilungen erbracht, bevor nun eine eigene geriatrische Abteilung im Krankenhausplan ausgewiesen wurde. Nach Auffassung der Krankenkassen könnte dann ein Fall vorliegen, wo die Krankenkassen für Mehrleistungen den FDA anwenden möchten.

Leistungen von krankenhausplanerisch ausge-wiesenen Zentren

Krankenhäuser, die tatsächlich im Krankenhausplan ausgewiesene Zentren aufweisen, können für die Budgetplanung der Verhandlungen 2017 ihre Mehrleistungen verstärkt in den Bereichen vereinbaren, die unter die Zentren zu subsumieren sind.

Transplantationen, Polytraumata, schwer brandverletzte Patienten und Versorgung von Frühgeborenen

Auch für diese Leistungen gilt, dass kein FDA für Mehrleistungen zu erheben ist; also könnten auch hier Mehrleistungen geplant werden. In der Praxis dürfte diese Leistungskategorie nur bei den Universitätsklinika und den Krankenhäusern der Maximalversorgung anwendbar sein.

Leistungen mit einem Sachkostenanteil von mehr als 2/3

Die Sachkostenanteile können aus den Materialen des InEK ermittelt werden. Während es bei den Zusatzentgelten bereits heute einen festen Kreis von Entgelten mit hohem Sachkostenanteil gibt, ist diese Eigenschaft bei den DRG-Entgelten sehr selten. Auch für diese Leistungen gilt, dass kein FDA für Mehrleistungen zu erheben ist; also könnten auch hier Mehrleistungen geplant werden.

Leistungen, deren Bewertung gemäß DRG-Katalog bereits abgesenkt oder abgestuft wurden

Derartige abgesenkte bzw. abgestaffelte DRG’s gibt es zzt. noch nicht. Hier bleibt abzuwarten, ob derartige DRG’s in den Katalog aufgenommen werden.

Leistungen mit halbem FDA

Der FDA hält aber noch eine weitere Spielart der Rabattgewähr bereit, die ebenfalls ab 2017 genutzt werden kann. Denn für bestimmte Leistungen kann der halbe FDA zu Anwendung kommen. Dies ist zum einen dann der Fall, wenn  Mehrleistungen vereinbart werden sollen, die in einem noch zu verhandelnden Katalog der nicht mengenanfälligen Leistungen verzeichnet sind. Dieser Katalog sollte bis zum 30.6.2016 von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem GKV-Spitzenverband und dem Verband der Privaten Krankenversicherungen vorlegt werden. Danach ist es auch möglich, Vorarbeiten bezüglich Mehrleistungen mit hälftigem FDA zu planen.

Des Weiteren  werden  Mehrleistungen mit dem halben FDA begünstigt, die durch eine Verlagerung von Leistungen zwischen Krankenhäusern begründet sind und die nicht zu einem Anstieg der Summe der effektiven Bewertungsrelationen im Einzugsgebiet des Krankenhauses führen. Diese Fallkonstellation ist vor dem Hintergrund des Krankenhausstrukturfonds (§ 12 Abs. 3 KHG) besonders schwierig, weil es für das eigene Krankenhaus sinnvoller sein kann, das Nachbarkrankenhaus und dessen Budget zu übernehmen, ehe es geschlossen wird und das eigene Krankenhaus die Mehrleistungen aus dem Nachbarkrankenhaus mit einem Rabatt in Höhe eines halben FDA erbringen muss.


Fazit:

In den nächsten Monaten ist die Zeit, die entsprechenden Vorarbeiten für die Umsetzung möglicher Vermeidungsstrategien zu machen. Dazu ist zunächst zu analysieren, wie und in welchem Umfang das eigene Krankenhaus von DRG-Mehrleistungen betroffen sein wird. Denn nur dann stellt sich ggfls. die Frage nach der passenden Vermeidungsstrategie. Danach können Projektteams zur Vorbereitung der Vermeidungsstrategien gebildet werden.