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BDO/DKI Krankenhausstudie 2017 - Kommunale Krankenhäuser: Zusammenspiel von Aufsichtsgremium und Geschäftsführung

07. November 2017

Alexander Morton |

Bei Aufsichtsräten und Geschäftsführern kommunaler Krankenhäuser herrscht eine ausgeprägte Konsenskultur vor. Das Aufsichtsgremium bindet die Geschäftsführung bei seinen Entscheidungen weitreichend ein. Eher selten werden die Entscheidungen der Aufsichtsgremien von der Geschäftsführung kritisch oder als zu langwierig betrachtet. Dies hat Vorteile bei der gemeinsamen Strategieentwicklung, kann sich aber auch nachteilig auf die Wirtschaftlichkeit kommunaler Krankenhäuser auswirken.

Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie des Branchencenters Gesundheitswirtschaft der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und des Deutschen Krankenhausinstituts. Ziel der parallelen Repräsentativbefragungen von Aufsichtsräten und Geschäftsführern kommunaler Krankenhäuser war es, deren Selbstverständnis sowie ihren jeweiligen Einfluss auf Strategie und Führung der Krankenhäuser zu untersuchen.

Kommunale Krankenhäuser sind sehr wichtige Arbeitgeber an ihren Standorten. Insgesamt 80 % der kommunalen Krankenhäuser zählen zu den drei wichtigsten regionalen Arbeitgebern. Sie leisten damit wichtige Beiträge zur regionalen Wertschöpfung und Beschäftigungssicherung.

Die wirtschaftliche Lage der kommunalen Krankenhäuser ist sehr prekär. Fast ein Drittel der Einrichtungen (31,6 %) hat von 2014 bis 2016 kontinuierliche Verluste geschrieben. Nur ein Drittel (33,7 %) hat in diesem Zeitraum regelmäßig Überschüsse erzielt. Die Übrigen verzeichneten wechselnde Ergebnisse.

Kennzeichnend für Aufsichtsgremien kommunaler Krankenhäuser ist ihre starke politische Durchdringung. Faktisch gibt es in fast jedem Aufsichtsgremium kommunaler Krankenhäuser politische Mandats- oder Funktionsträger. Der Aufsichtsratsvorsitzende ist in der Regel Bürgermeister oder Landrat bzw. Politiker mit aktivem Mandat. Daneben sind auch die Betriebsräte in den Sitzungen der Aufsichtsgremien sehr stark präsent.

Weitreichende Kompetenzen haben die Aufsichtsgremien insbesondere bei Personalentscheidungen für die obere Führungsebene (Geschäftsführer/ Kaufmännische Leitung, Ärztlicher Direktor, Pflegedienstleitung) und die mittlere Führungsebene (v. a. Chefärzte). Des Weiteren haben sie in der Regel Entscheidungs- und Mitsprachrechte bei der Investitions- und der Wirtschaftsplanung. Die Personal- und Leistungsplanung sowie vor allem die (Planung der) Budgetverhandlungen fallen dagegen überwiegend in die Entscheidungskompetenz der Geschäftsführer.

Die Geschäftsführer sehen mehrheitlich keinen positiven Einfluss ihrer Aufsichtsgremien auf die Wirtschaftlichkeit der kommunalen Krankenhäuser. Ein Drittel der befragten Geschäftsführer attestiert den Aufsichtsgremien sogar explizit einen negativen wirtschaftlichen Einfluss. Die entsprechenden Häuser schreiben häufiger Verluste als andere Häuser. Eine zu starke Einmischung der Aufsichtsgremien kann somit das Jahresergebnis beeinträchtigen.

Kommunale Aufsichtsgremien nehmen stärker Einfluss auf qualitätsorientierte Unternehmens-ziele als auf ökonomische Ziele. Versorgungsziele (z. B. umfassende Versorgung der Bevölkerung am Standort), Prestigeziele (wie. kommunales Image, kommunaler Nutzen des Kranken-hauses) und beschäftigungspolitische Ziele (Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen am Standort) sind demnach für sie wichtiger als ökonomische Zielgrößen wie Rentabilitätsziele (z. B. Gewinn, Umsatzrentabilität) oder Marktstellungsziele (wie Marktanteile oder Marktführerschaft). Allerdings wird der Einfluss der Aufsichtsgremien auf die strategische Zielplanung seitens der Geschäftsführer geringer eingeschätzt als durch die Aufsichtsgremien selbst.

Die Einflussnahme des Aufsichtsgremiums auf Beschäftigungs- und Prestigeziele korreliert negativ mit den Jahresergebnissen. In Krankenhäusern mit kontinuierlichen Verlusten von 2014 bis 2016 haben die Aufsichtsgremien deutlich stärkeren Einfluss auf die beschäftigungs-politischen Ziele der Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen und Prestigeziele wie dem kommunalen Nutzen und dem kommunalen Image des Krankenhauses genommen als in wirtschaftlich besser gestellten Häusern.

Viele kommunale Krankenhäuser setzen künftig auf Expansion. Die Krankenhausstrategie der nächsten fünf Jahre sieht bei den meisten Krankenhausgeschäftsführern und Aufsichtsgremien den Aufbau neuer Leistungsbereiche bzw. neuer Geschäftsfelder, Leistungsmengensteigerungen, eine stärkere Beteiligung an der ambulanten ärztlichen Versorgung in der Region sowie die Vernetzung mit anderen Leistungssektoren und Leistungserbringern vor.

Auf der anderen Seite sind die Geschäftsführer für die Reduktion des stationären Leistungsangebots tendenziell aufgeschlossener als die Aufsichtsgremien. Negative Geschäftsergebnisse begünstigen die Bereitschaft zu einer stärkeren Fokussierung. Geschäftsführer von Krankenhäusern mit kontinuierlichen Verlusten erwägen eher als ihre Kollegen mit besseren Ergebnissen die Fusion mit anderen Krankenhäusern, die Schließung von Fachabteilungen oder Stationen, eine Leistungskonzentration oder die Umwandlung/ Umwidmung von akutstationären Kapazitäten für andere Zwecke.

Fazit:

Bei Aufsichtsräten und Geschäftsführern kommunaler Krankenhäuser herrscht eine ausgeprägte Konsenskultur vor. Das Aufsichtsgremium bindet die Geschäftsführung bei seinen Entscheidungen weitreichend ein. Eher selten werden die Entscheidungen der Aufsichtsgremien von der Geschäftsführung kritisch oder als zu langwierig betrachtet. Dies hat Vorteile bei der gemeinsamen Strategieentwicklung, kann sich aber auch nachteilig auf die Wirtschaftlichkeit kommunaler Krankenhäuser auswirken.